Warum ich mit BDSM nicht aufhören kann.
Es fing harmlos an… ich schwöre!
Ich wollte nur mal hineinschauen, so wie viele andere ja auch.
Ein bisschen Macht, ein bisschen theatrale Autorität. Ich dachte,
BDSM bedeutet: böser Blick, brummige Stimme, schwarze Klamotten.
So schwer kann das ja nicht sein, oder?
Tja. Und dann hatte ich die erste Erfahrung mit einer devoten Dame,
mit Herzklopfen, und der sehr dringenden Frage: „Warum guckte Sie
so erwartungsvoll? Ich hab doch nur gesagt: Setz dich hin.“
Und plötzlich war’s um mich geschehen.
Die Haltung. Das Spiel mit Spannung. Die Verbindung. Dieses knisternde
Gefühl, wenn jemand deinen Befehl nicht nur hört, sondern fühlt. Boom.
Also… man denkt oft, man hat alles unter Kontrolle.
Wissen wir ja: Befehl – Ausführung – Kontrolle behalten – Name vergessen,
weil: Fokus! Aber ich sag’s euch ehrlich: Ich hab mich komplett verfangen,
wie sicherlich viele von euch nun nachvollziehen können. In Blicken.
In Momenten. In diesem Flow, der entsteht, wenn alles ineinandergreift.
Körpersprache, Reaktion, Atmung. Da steht man da, völlig souverän
von außen und innerlich: „Heilige Peitsche, das fühlt sich GUT an.“
Ich wollte noch eine Session.
Noch eine.
Und… ja, daraus wurde eine Leidenschaft. Eine Berufung.
Und ein Repertoire an Spielzeug, das jeden Baumarkt-Mitarbeiter
erröten lässt.
Alle denken ja, BDSM bedeutet, man will nur Macht.
Aber was sie nicht sehen: Es geht nicht um Kontrolle.
Es geht um Verbindung. Um Präsenz. Um das unglaubliche Gefühl,
jemanden in Sicherheit an Grenzen zu führen und gemeinsam über
sie hinauszuwachsen.
Was du BDSM erlebst, ist oft viel intensiver als jedes Rollenspiel.
Wenn ein Mensch dir vertraut – dir wirklich vertraut – dann trägt dein
„Steh auf“ plötzlich mehr Bedeutung als drei Romane. Und ja, danach
kann man süchtig werden. Ich hab’s wirklich versucht, mit BDSM zu
brechen und ganz aufzuhören. Denn meine Exfrau war Vanilla und
ich BDSM´ler. 10 Jahre hat das fast geklappt, dass ich kein BDSM
erleben und ausleben wollte.
Kein Witz.
Ich muss dazu sagen, ich war verliebt. So richtig. Halbes Kino im Kopf,
Herzklopfen, Dauergrinsen, du kennst das. Und natürlich wollte ich alles
richtig machen, der perfekte Partner sein, die große Liebe leben, romantisch,
treu, mit Haus, Hund und irgendwann vielleicht… Kind.
Ein paar Jahre später war ich dann tatsächlich verheiratet. Check. Am Anfang
lief auch alles wunderbar – rosa Brille, Alltag voller Netflix und Nudeln mit
Tomatensauce. Und siehe da: BDSM? Fast vergessen. Lag irgendwo in der
hintersten Schublade meines Hirns, zwischen alten Tagebuchzitaten und
dem Wissen, wie man PowerPoint benutzt. Aber dann… kam es.
Das Jucken. Kein Hautausschlag. Kein Insektenstich.
Ein… undefiniertes Kribbeln.
Am Anfang war’s noch harmlos. So ein „Ach, was war damals nochmal
dieses Fesselding?“ und weiter im Text. Aber mit den Jahren und mit
Laufstall, Spielplatz und Windelparade wurde das Kribbeln kräftiger.
Und vor allem: an Stellen, die definitiv nicht in ein normales Gespräch
auf dem Elternabend passen.
Manche Tage war’s nur ein kurzer Hauch. Andere Male hatte ich das
Gefühl, gleich platzt mir die innere Reitgerte. Nur… ich wusste nicht,
warum ich so unzufrieden war. Ich hatte doch ein schönes Leben.
Oder? Die Wahrheit – ziemlich gut verpackt und unter einer Schicht
aus Alltagschaos, Selbstaufgabe und „funktioniert wie ein Erwachsener“
war klar: Ich hatte vergessen, wer ich sexuell wirklich bin.
Wie das Jucken dann endlich identifiziert wurde?
Natürlich durch eine andere Frau. Klischee? Vielleicht. Aber verdammt
lehrreich. Da saß ich, hörte zu, tauschte Gedanken aus und plötzlich
machte es Klick. Kein romantisches Drama, keine Affäre, sondern
einfach diese eine Erkenntnis:
„Verdammt, es fehlt mir. BDSM fehlt mir. Schon die ganze Zeit.“
Es war wie eine Allergie gegen Vanille-Sex, bei der ich nie realisiert hatte,
was der Auslöser ist. Nach fast zehn Jahren Familienleben, zwei Kindern
und exakt null Sessions hatte ich die Schnauze voll davon, mich selbst zu
verstecken. Ich wollte nicht mehr heimlich träumen vom Fesseln, Dominieren,
Hingeben, sondern endlich wieder leben, was mich glücklich macht, nämlich:
Ein bisschen Peitsche, ganz viel Vertrauen, klare Grenzen und keine rosa
Brille mehr. Heute? Das Jucken ist weg. Dafür gibt’s jetzt wieder Kribbeln.
Und das an genau den richtigen Stellen.
Fazit:
Ich hör ja gleich auf… nur nicht heute
Ich geb’s zu: Ich bin süchtig.
Nach Vertrauen.
Nach Hingabe.
Nach dieser Art von Kommunikation, bei der man kein einziges Wort braucht
und trotzdem mehr sagt als jeder Pärchenratgeber.
Vielleicht höre ich irgendwann auf. Wenn ich alt bin.
Gelenkprobleme hab. Oder keine Lust mehr, Reitgerte und Augenbinde in
meiner Reisetasche zu erklären. Aber heute? Heute nicht.
In diesem Sinne
Und falls du dich fragst, was mich wirklich süchtig macht:
Es ist dieser eine Moment.
Der Blick, das Nicken, der Atem.
Wenn beide wissen: Jetzt beginnt Magie. Und keiner will aufhören.