Die Operation steht bevor.
Kein Grund zur Freude, sondern eine Flut von Ängsten, die sich wie ein schweres
Tuch über mich legen. Jeder Gedanke dreht sich im Kreis: was, wenn ich nicht
mehr aufwache? Was, wenn ich querschnittsgelähmt bin oder gar impotent bleibe?
Diese Fragen hämmern in meinem Kopf, seit der Anästhesist sie so nüchtern aufgezählt
hat, als würde er eine Speisekarte von Burger King vorlesen. Seit Donnerstag schlafe
ich schlecht, der Appetit ist weg, und wenn ich doch etwas esse, kommt es mir sofort
wieder hoch. Die Angst und so viele Bedenken fressen mich gefühlt von innen auf.
Wie soll ich eine Perspektive finden, wenn ich nicht weiß, was danach kommt?
Und jetzt, wo ich weiß, wie es weitergeht, macht das alles nur noch mehr Angst.
Jeder mögliche Fehler, jede Komplikation, die der Arzt erwähnt hat, schwebt wie
ein Damoklesschwert über mir. Die Energie, die ich brauchen würde, um zuversichtlich
nach vorne zu schauen, ist längst verpufft. Stattdessen keimt Mutlosigkeit, die Frage,
ob ich jemals wieder ins normale Leben zurückkehren kann. Und diese Gedanken
werden nicht positiv befeuert, sondern immer wieder mit den Worten des Arztes
befeuert: „Was wäre, wenn…?“
Die Zeit rast, ich schaue alle fünf Minuten auf die Uhr. Mit jeder Minute, die vergeht,
komme ich dem OP-Termin näher und das Gefühl, dass alles schiefgehen könnte,
wird stärker. Immer mehr formieren sich meine Gedanken zu einem einzigen,
verzweifelten Satz: „Ich gehe da nicht hin.“
Spinalanästhesie – was für ein bescheuertes Wort. Eigentlich passiert nichts,
sagen sie. Aber bei jedem tausendsten Patienten doch. Und was, wenn gerade
ich dieser eine bin?
Noch schlimmer ist, dass ich meinem Operateur vertraue, er hat Empathie gezeigt,
ich spüre, dass er mir zuhört. Doch der Anästhesist, der wird mir eine Spritze in den
Rücken jagen, wirkt steif, gefühlskalt, fast wie ein Arschloch. Keine Spur von Verständnis,
kein Lächeln, keine Wärme. Da fällt es mir schwer, ihm zu vertrauen, und noch schwerer,
mich fallen zu lassen. Mit jeder Minute wächst die Angst, dass ich mich in die Hände
eines Menschen begebe, der für mich keine Empathie empfindet und der gleichzeitig
soviel Verantwortung in der Hand hält.
Grade während ich an diesem Beitrag schreibe, schwappt der Gedanke heran, dass
ich eigentlich meinen Nachruf verfassen sollte. Also, falls etwas passiert, hier ist er.
Wer weiß, vielleicht bin ich gerade dabei, meinen eigenen Tod vorherzusagen, oder
ich werde einfach nur von einer besonders schrägen Session übermannt. Jedenfalls:
hier ist mein ironischer Abschiedsgruß.
Lieber Leser, lieber Freund, lieber Feind,
heute verabschieden wir uns von einem wahren Teddy der Ironie, des Lachens und
der unverfänglichen Peinlichkeit. Unser Verstorbener war derjenige, der immer den
Becher Kaffee halb voll sah – vor allem, wenn er noch warm war. Ich habe das Leben
genossen, das Sterben hingegen quittiere ich mit einem Augenzwinkern:
„Jetzt bin ich endlich im Urlaub, meine letzter ist nämlich extrem lange her“
Ich war ein Mann, der immer die richtigen Worte fand – meistens unpassende,
aber versucht habe diese immer lustig und authentisch herüberzubringen.
Leider hat dies meistens nicht geklappt. Mein Humor war so trocken, dass
man ihn mit einem Feuchtigkeitsmesser messen musste. Und wenn ich mal
schlecht gelaunt war, habe ich mich einfach selbst auf die Schulter geklopft
und gesagt: „Was bin ich doch für ein geiler Typ!“
Ich war kein Held, ein Superstar auch nicht, denn gesungen habe ich eher
wie ein alter Esel. Damit wäre ich sicherlich in keinen Recall gekommen.
Ihr werdet mich sicherlich nicht vermissen. Vor allem meine unpassenden
Bemerkungen und die Art, wie ich euch immer wieder zum Nachdenken
gebracht habe. Aber ich bin sicher nicht traurig, wenn Ihr jetzt einfach mal
über mich lacht. Denn das ist mein Lebensmotto: Lachen ist die beste Medizin
und wenn man tot ist, braucht man die Medizin ja auch nicht mehr.
Hier mein letzter Kommentar:
„Ich bin nicht tot, ich bin nur bei einer BDSM-Session – im Jenseits.“
So ziehe ich also von dannen, mit einem Grinsen im Gesicht, einer Reihe von blöden
Kommentaren auf den Lippen und dem Wunsch, dass ihr alle weiter lacht,
auch wenn ich nicht mehr da bin. Ich werde sicher nicht in Ruhe den Frieden finden
denn ich suche. Denn egal wo ich am Ende lande, ich werde sicherlich den ein
oder anderen Kommentar, Bemerkung oder Witz weiterhin ablassen. Die Nachwelt
kann sich also darauf gefasst machen: Auch im Jenseits werde ich die Stille mit
einen unpassenden Spruch durchbrechen. Ätschie Bätsch
PS: Dieser Satz geht an die Menschen, die mir so viel bedeuten.
Danke, ich werde euch vermissen und ein Teil von meinem Herzen gehört immer euch.
Wir sehen uns bei der nächsten Session. In diesem Sinne, bleibt wach, bleibt laut, bleibt
ironisch und vor allem bleibt euch treu. Euer Alex
Wer noch etwas über mich oder an mich denken will, sollte dringend was in die
Kommentare hier schreiben. Oder es sein lassen. Aber nur dann was schreiben
wenn was wäre… Andere würden sich bestimmt freuen.