Dominanz nach Stundenplan
Dominanz nach Stundenplan klingt ungefähr so heiß wie ein Excel-Seminar um
7:30 Uhr und genau da setzen wir an: mehr Text, mehr Bilder im Kopf, noch mehr
liebevolle Selbstzerlegung der „Dom-Performance“.
Der große Mittwoch-Moment
Es ist Mittwoch. 18:59 Uhr.
In irgendeiner deutschen Mietwohnung kämpft eine Energiesparlampe darum,
romantische Stimmung zu machen, während der Nachbar über dir zum dritten
Mal versucht, seine Bohrmaschine in einen Dübel zu überreden.
Auf der Couch: unser Held.
Der Rollenspiel-Dom. Der Mann, die Legende, der Typ, der Dominanz so
organisiert, wie andere ihren Zahnarzttermin, rechtzeitig eingetragen,
mit Erinnerungsfunktion und biokompatibel mit dem ÖPNV-Fahrplan.
Vorbereitung eines Halbgotts (mit orthopädischem Kissen)
Er sitzt schon in voller Montur da. Also: in dem Outfit, das im Internet
„fetisch“ heißt, in normaler deutscher Mietwohnung aber eher
„bitte nicht ans Fenster treten, die Nachbarn gucken schon wieder so“.
Die Peitsche liegt bereit. Daneben, Griff an Griff: der Terminkalender aus
Papier, zwei Kugelschreiber (falls einer „versagt“), und ein Glas Leitungswasser,
still, Zimmertemperatur, man ist ja nicht mehr 20. Die Session steht seit drei
Monaten im Kalender. Sorgfältig unterstrichen, mit Ausrufezeichen, farblich codiert.
Dominanz, aber in Pastellmarkern. „Pünktlichkeit ist schließlich Dominanz“,
denkt er und kratzt sich am Knie, das beim Beugen inzwischen klingt,
als würde jemand vorsichtig Luftpolsterfolie testen.
Showtime mit Lesebrille
19:00 Uhr.
Zack. Also… mehr so zackig-fluffig. Die Smartwatch vibriert, die Heizung knackt,
irgendwo schnurrt eine Waschmaschine ins Schleudern. Showtime.
Er atmet tief durch. Dies ist sein Moment.
„Schatz, es ist so weit, ich bin jetzt mal dominant!“, verkündet er mit dem Pathos
eines Menschen, der gerade den Quartalsbericht der Hausverwaltung vorliest.
Sein Blick streng. Also: so streng, wie jemand eben gucken kann, der die Lesebrille
eigentlich bräuchte, aber findet, dass die nicht „zum Charakter“ passt. Er kneift die
Augen zusammen, um mehr Dominanz zu erzeugen, wirkt dabei aber eher wie ein
leicht überforderter Controller, der versucht, die Fußnote 7c in einer Excel-Tabelle
zu entziffern.
Flintenluder mit Meniskus
Mit grimmigem Tonfall raunt er schließlich:
„Flintenluder! Knie nieder!“
Es schwingt diese große Geste mit, dieser Versuch, ein dunkler Herrscher zu sein,
der über Lust, Schmerz und – naja – Laminatboden gebietet. Doch dann schaltet
sich die deutsche Vernunft ein, diese innere TÜV-Prüfstelle für Lebensentscheidungen:
„Aber vorsichtig, wegen deinem Meniskus.“ Zwischen Dominanzfantasie und
Orthopädie-Beratung liegen genau drei Sekunden. Er will Herrscher sein, aber eben
ein verantwortungsvoller Herrscher, mit Blick auf Gelenkgesundheit, Haftungsfragen
und mögliche Krankengymnastik-Termine.
37 Minuten kontrollierte Leidenschaft
Die Stoppuhr läuft. Natürlich läuft die Stoppuhr.
Dominanz ohne Zeitmanagement wäre ja pure Anarchie.
Exakt 37 Minuten später, kein Atemzug zu viel, kein Stöhnen zu lang,
dann wird das Kostüm ordentlich zusammengefaltet. Nicht einfach auf den Stuhl
geworfen wie ein leidenschaftlicher, unberechenbarer Lover. Nein.
Sorgfältig. Kante auf Kante. Fast ehrfürchtig. Wie ein Sakko vor einem
Bewerbungsgespräch. Er räuspert sich. Zurück in der Komfortzone der
Alltagskommunikation: „So, Pizza oder Netflix?“
Die Frage hängt im Raum wie eine leicht zu helle Deckenleuchte.
Die Gerade-noch-Sub richtet den Gummi ihres Knieschoners, schiebt den
Sofakissenstapel wieder an seinen Platz, und beide wissen: Die Leidenschaft hat
in etwa die emotionale Tiefe einer IKEA-Bauanleitung – funktional, strukturiert,
mit Bildchen im Kopf, aber ohne jede Überraschung.
BDSM nach DIN A4
Der Rollenspiel-Dom ist der perfekte Kink-Partner für alle, die SM mögen.
Aber bitte mit Konzept, Sicherheitsmarge und Excel-Tabelle.
Spontane Ausrutscher? Nur, wenn sie vorher schriftlich im gemeinsamen
Google-Kalender stehen und mindestens 48 Stunden vorher per Push-Nachricht
angekündigt wurden.
Fazit:
Gleicher Tag, gleiche Zeit, gleiche Stelle, der deutsche Tatort der Erotik.
Vielleicht knistert es irgendwann wirklich, wer weiß. Bis dahin knistert vor allem
das Knie, die Terminerinnerung und das Budget-Backpapier unter der Tiefkühlpizza.
Und irgendwo tief in ihm drin flüstert eine kleine Stimme:
„Vielleicht bin ich gar kein Dom… Vielleicht bin ich einfach nur ein sehr motivierter
Projektmanager mit Peitsche.“ In diesem Sinne.